Förderung

 

Konzeption zur individuellen Förderung vor, während und im Anschluss an die Schuleingangsphase unter Beibehaltung der Jahrgangsklassen

Inhaltsverzeichnis

  1.     Vorwort
  2.     Ermittlung der Lernausgangslage vor Schuleintritt und Einleitung erster Fördermaßnahmen
  3.     Ermittlung der Lernausgangslage zu Beginn der Schulzeit und die Umsetzung erster unterrichtlicher Konsequenzen
  4.     Unterrichtliche Umsetzung weiterer Maßnahmen zur Differenzierung und Individualisierung
    1.         Einrichtung eines „Förderfahrstuhls“ für die  Jahrgangsstufen 1 bis 3
    2.         Parallelschaltung der Kernfächer Deutsch und Mathematik in den entsprechenden Jahrgängen
    3.         Bedingungen und konkrete Maßnahmen zur Umsetzung
    4.         Lernstandsdiagnostik als Grundlage für die individuelle Förderung
  5.     Grundlegende Elemente selbstgesteuerten Lernens
  6.     Konkrete Vorhaben für die Weiterarbeit an unserer Schule

1. Vorwort

Die Öffnungsklausel sieht vor, dass in der Eingangsstufe auch weiterhin jahrgangsweise unterrichtet werden kann, wenn zwei Bedingungen erfüllt sind:

  • die individuelle Förderung  jedes einzelnen Kindes
  • die flexible Verweildauer in der Eingangsstufe (1 - 3 Jahre)

Konsens der Vorgespräche im vergangenen Jahr war, dass wir Bewährtes beibehalten, uns Neuem jedoch nicht verschließen möchten.

So haben drei Kinder im Schuljahr 03 / 04 bereits erfolgreich eine Klasse „übersprungen“. Inzwischen ist der Schulkindergarten aufgelöst und auch die Kinder, die die Schulfähigkeit noch nicht in allen Bereichen besitzen, werden eingeschult.

  • Eine Bandbreite, die uns ausreichend erscheint -

Gerade die Förderung der potenziellen Schulkindergartenkinder bietet jedoch auch Chancen. - Kinder aus höheren Klassen können z.B. in basalen, grundlegenden Bereichen mitgefördert werden (Motorik, Wahrnehmung, Konzentrationsfähigkeit, etc.), wenn sie in diesen Bereichen noch Defizite haben, die die Ursache für Schwierigkeiten im Rechnen, Lesen oder Schreiben sind.

2. Ermittlung der Lernausgangslage vor Schuleintritt und Einleitung erster Fördermaßnahmen

Um bei den zukünftigen Schulkindern möglichst frühzeitig Informationen über ihr Schulfähigkeitsprofil gewinnen zu können und auch möglichst frühzeitig individuelle Fördermaßnahmen einleiten zu können, ist in NRW die Anmeldung in der Schule auf Anfang November vorgezogen worden.
An den Halveraner Grundschulen durchlaufen die Kinder dabei einen von der ehemaligen Leiterin des Schulkindergartens, Frau Luy, entwickelten „Einschulungsparcours“.
In Oberbrügge wird jedes Kind dabei von einer Lehrerin begleitet, die ihre Beobachtungen auf vorgefertigten Bögen dokumentiert und die Arbeiten des Kindes sammelt. Beides wird der Schülerakte beigefügt. Wird festgestellt, dass Kinder Schwierigkeiten mit der deutschen Sprache haben, werden sie zur Sprachstandsfeststellung („Fit in Deutsch“) eingeladen und ggf. dazu verpflichtet an einem Sprachkurs teilzunehmen.

Nach Auswertung der so gewonnenen Erkenntnisse finden in dringenden Fällen umgehend Beratungsgespräche mit den Eltern der Kinder statt, bei denen Frühförderung, Ergotherapie, Logopädie o.ä. angeraten sind.
Im Anschluss daran finden Gespräche mit den Eltern der Kinder statt, die „leichte“ Entwicklungsverzögerungen aufweisen. Die Erfahrung hat gezeigt, dass Eltern diese nach Förderanregungen durch die Schulleitung durchaus selber ausgleichen können. Ergänzend hierzu wird das Gespräch mit den Erzieherinnen im Kindergarten gesucht. Schule, Eltern und Kindergarten arbeiten hier Hand in Hand.

Zurzeit wird überlegt, ob zukünftig Einschulungskonferenzen in der Schule stattfinden sollen, zu denen die Erzieherinnen eingeladen werden.

Die Bildungsdokumentationen, die von den Erzieherinnen ab dem Schuljahr 04/05 erstellt werden, können von den Eltern an die Schule weitergegeben werden. Es wäre sehr hilfreich, wenn möglichst alle Eltern diese Chance zur Zusammenarbeit zum Wohle ihrer Kinder nutzen würden.

Um den Übergang vom Kindergarten zur Schule „gleitend“ zu gestalten, finden wechselseitig Hospitationen und Besuche zu diversen Gelegenheiten statt.

3. Ermittlung der Lernausgangslage zu Beginn der Schulzeit und die Umsetzung erster unterrichtlicher Konsequenzen

Die Schüler werden in den ersten Schulwochen sowohl in den Lernbereichen Deutsch (Buchstabenkenntnis, Lesen, Schreiben) und Mathematik (Zählen, Mengen- und Zahlzuordnung, Plus- und Minus-Rechnen) als auch in den grundlegenden Entwicklungsbereichen (taktile, kinästhetische, vestibuläre, auditive und visuelle Wahrnehmung) einer besonders intensiven Beobachtung unterzogen.

Um den Kindern die ersten 2 - 3 Schulwochen etwas einfacher zu gestalten, kommen sie zunächst nur für 3 Stunden pro Tag in die Schule. Zwei Stunden davon werden im Klassenverband erteilt, eine Stunde jeweils zuvor oder im Anschluss daran in einer Teilgruppe (ca. halbe Klassenstärke).
Während dieser Zeit kann man einzelne Schüler sehr gut beobachten und dies auch dokumentieren. Allerdings sind nicht alle Beobachtungen im Gruppenverband möglich.
Bei besonders auffälligen Schülern wird zudem noch eine ausführliche Einzelüberprüfung durchgeführt.
Für die Gruppentests stehen verschiedene Übungen (Spiele, Steckübungen, Puzzles oder Arbeitsblätter) aus den einzelnen Bereichen zur Verfügung.
Im Anschluss an diese Beobachtungsphase bekommen alle Erstklässler je nach individueller Dringlichkeit vorrangig in den oben genannten basalen Bereichen zusätzlichen Förderunterricht in kleinen Gruppen. Leistungsstarke SchülerInnen werden entsprechend ihrer bereits vorhandenen Fähigkeiten gefördert, so dass sie die Eingangsstufe eventuell schneller durchlaufen können.

4. Unterrichtliche Umsetzung weiterer Maßnahmen zur Differenzierung und Individualisierung

Um jedem Kind eine möglichst kontinuierliche und im Hinblick auf Verweildauer und Auswahl der Fördermaßnahmen individuelle Entwicklung an unserer Schule zu ermöglichen, entscheiden wir uns zunächst für drei grundsätzliche organisatorische Komponenten, auf die sich unser Konzept stützt:

  • Die Einrichtung eines „Förderfahrstuhls“ für die Jahrgangsstufen 1 bis 3
  • Größtmögliche Parallelschaltung der Kernfächer Mathematik und Sprache im Stundenplan der entsprechenden Klassen.
  • Lernstandsdiagnosen als Grundlage für die individuelle Förderung

4.1. Einrichtung eines „Förderfahrstuhls“ für die Jahrgangsstufen 1 bis 3

Um eine einheitliche und umfassende Förderung der Kinder der unterschiedlichen Jahrgänge zu ermöglichen, findet pro Woche eine Förderstunde für alle Kinder der Schule parallel statt. Auf diese Weise können aus den Kindern der Jahrgänge 1 bis 3 fünf jahrgangsgemischte Gruppen gebildet werden, die von den fünf KlassenlehrerInnen epochal gefördert werden. Sowohl die Zusammensetzung der Gruppen als auch die Schwerpunkte der behandelten Inhalte orientieren sich an den aktuellen Beobachtungen der KlassenlehrerInnen. Grundlage für die Arbeit in den Fördergruppen bilden somit regelmäßige Absprachen zwischen den KollegInnen. Diese dienen zum einen dazu, aus den unterrichtlichen Beobachtungen heraus Schwerpunkte für die Arbeit in den Fördergruppen zu entwickeln. Zum anderen kann so gemeinsam über die Einteilung der Kinder beraten werden. Um den einzelnen Kindern gerecht werden zu können, ist es selbstverständlich, dass sowohl die Thematik der Fördergruppen als auch die Einteilung der Kinder im hohen Maße flexibel gehandhabt werden muss, um sowohl auf Lernentwicklungen einzelner Kinder als auch auf allgemeine Unterrichtssituationen in den Klassen umgehend reagieren zu können. So handelt es sich bei diesen Fördergruppen nicht um statische Lerngruppen mit festgelegten Themen auf unbefristete Zeit, sondern vielmehr um wechselnde Lerngemeinschaften.

Diese bieten folgende Vorteile:

  • Auch die Kinder einer Altersgruppe bilden keine homogene Gruppe im Hinblick auf ihre Lernentwicklung. Im Rahmen des „Förderfahrstuhls“ haben die Kinder die Möglichkeit, je nach inhaltlichem Schwerpunkt auch mit den Kindern des höheren oder des unteren Jahrgangs zusammen zu lernen. Dadurch wird höchstmögliche individuelle Förderung außerhalb des Klassenverbandes ermöglicht, ohne dass die in diesem Alter sehr bedeutenden gemeinschaftlichen Erfahrungen in einem festen Klassenverband mit einer konstanten Bezugsperson aufgegeben werden müssen.
  • Alle Kinder - sowohl die Kinder mit erhöhtem Förderbedarf als auch die schnell lernenden - können in gleicher Weise von diesen Förderstunden profitieren. Auch die leistungsstarken Kinder, die in der Gefahr sind, im Klassenverband „mitzulaufen“ und aufgrund ihrer hohen Selbstständigkeit weniger Aufmerksamkeit zu erhalten, können im Rahmen des „Förderfahrstuhls“ speziell gefördert werden.
  • Dadurch dass die KollegInnen die Förderung der Kinder arbeitsteilig angehen können, bietet sich die Möglichkeit der Spezialisierung. Im Hinblick auf die große Bandbreite des Förderbedarfs, der durch das Auffangen der ehemaligen „Vorschulkinder“ noch entscheidend erweitert wird, bedeutet dies eine entscheidende Arbeitserleichterung.
  • Die Kinder können in den Förderstunden bereits Kontakte mit den SchülerInnen der anderen Jahrgänge knüpfen, dadurch wird das Wechseln in einen anderen Jahrgang wesentlich erleichtert.
  • Dadurch dass die Kinder innerhalb der Förderstunden nicht ausschließlich von ihren KlassenlehrerInnen betreut werden, ergibt sich die Möglichkeit für die KollegInnen, sich über die Lernentwicklung von Kindern zu beraten. So können die KlassenlehrerInnen – gerade bei Lern- oder Verhaltensschwierigkeiten einzelner Kinder– Unterstützung und Hilfen durch die KollegInnen erhalten.

4.2. Parallelschaltung der Kernfächer Deutsch und Mathematik in den entsprechenden Jahrgängen

Begleitend zur Einrichtung des „Förderfahrstuhls“ beabsichtigen wir, die Kernfächer Deutsch und Mathematik so weit es geht in den Stundenplänen der Jahrgänge 1 bis 3 parallel zu legen, um eine größtmögliche Durchlässigkeit der Jahrgänge zu erreichen.  Damit möchten wir Kindern die Möglichkeit eröffnen, in einzelnen Lernbereichen am Unterricht des anderen Jahrgangs teilzunehmen. So können Kinder zunächst einmal in die andere Klasse „hineinschnuppern“ und Eltern, Lehrer und Kinder können gemeinsam und in Ruhe entscheiden, ob ein vollständiger Wechsel sinnvoll erscheint. Darüber hinaus sind sicherlich auch Einzelfälle denkbar, in denen Kinder auf Dauer in nur einzelnen Lernbereichen am Unterricht des höheren oder niedrigeren Jahrgangs teilnehmen, da die Lernentwicklung durchaus nicht immer in allen Bereichen ähnlich schnell voranschreiten muss.

4.3. Bedingungen und konkrete Maßnahmen zur Umsetzung

Eine entscheidende Voraussetzung für die erfolgreiche Umsetzung unseres Konzepts sehen wir in der engen Zusammenarbeit der KollegInnen der Jahrgänge 1 bis 3. Um die Themen der Förderstunden sinnvoll festzulegen und um eine hohe Individualisierung der Lernwege zu gewährleisten, ist ein regelmäßiger Austausch unerlässlich. Da die Förderung der Kinder nicht mehr allein von den KlassenlehrerInnen übernommen wird, kommt der Notierung von Beobachtungen in speziellen Förderplänen für jedes Kind besondere Bedeutung zu. Wir haben uns daher zunächst für das Anlegen einer Fördermappe für jedes Kind entschieden. In diese Mappe werden Kopien der Förderpläne aller unterrichtenden LehrerInnen eingeheftet und dem Kind mitgegeben. So kann jede KollegIn jederzeit nachschlagen und sich über die Beobachtungen der KollegInnen sowie die durchgeführten Fördermaßnahmen informieren, aber auch selbst Ergänzungen vornehmen.
Eine weitere wichtige Voraussetzung sehen wir in der engen Zusammenarbeit mit den Eltern. So halten wir es für notwendig, Eltern noch stärker in die Lernentwicklung ihres Kindes mit einzubeziehen. Dazu gehört zum einen, unser Konzept vorzustellen und unsere Beweggründe transparent zu machen.

Zum anderen möchten wir durch das Anlegen der oben genannten Fördermappen den Eltern eine weitere Möglichkeit geben, direkt am Lernen ihres Kindes teilzuhaben. Dazu gehört, dass natürlich auch sie die Lernfortschritte ihres Kindes, wie sie in der Mappe festgehalten sind, verfolgen und die Beobachtungen der LehrerInnen durch eigene Notizen ergänzen können. Auf diese Weise kann die Fördermappe den Austausch zwischen Schule und Elternhaus ergänzen, Missverständnisse vermeiden helfen und nicht zuletzt bei

Elternsprechtagen und der Empfehlung für die Wahl der weiterführenden Schule eine zusätzliche Orientierungshilfe sein.

4.4. Lernstandsdiagnostik als Grundlage für die individuelle Förderung

Ergänzend zu den bisher erwähnten Fördermaßnahmen verwenden wir unterschiedliche Diagnoseinstrumente:

  • Im sprachlichen Bereich werden unterschiedliche jahrgangsentsprechende Lesefortschrittsblätter, u. a. nach H. J. Brüggelmann, zur Hilfe gezogen.
  • Individuelles Rechtschreibtraining wird anhand unterschiedlicher Materialien durchgeführt. Z. B. Profikarten, Lernwörterboxen, Lessmann-Kartei.)
  • Im Bereich Mathematik werden Förderdiagnosehefte zum eingeführten Mathematikwerk „Flex und Flo“ eingesetzt.
  • Zusätzlich wird selbstverständlich individuelle Förderung nach Fehlerdiagnosen im Anschluss an die Lernzielkontrollen und / oder Klassenarbeiten festgelegt.

5. Grundlegende Elemente selbstgesteuerten Lernens

Auf folgende Maßnahmen der Unterrichtsorganisation und Unterrichtsgestaltung, die die diagnostische Arbeit sowie die Durchführung von zeitlich und inhaltlich begrenzten Fördermaßnahmen unterstützen, haben wir uns geeinigt:

  • Die bereits bewährten offenen Unterrichtsformen, wie Wochenplanarbeit, Tagesplanarbeit, Freiarbeit, Lernen an Stationen, Projekt- und Werkstattarbeit, werden weiterhin praktiziert.
  • Die Arbeit mit Lernwerkstätten soll dabei zukünftig auch jahrgangsübergreifend organisiert werden. Dafür müssen den Kindern Formen der Selbst- und Partnerkontrolle ebenso geläufig sein wie fachspezifische Lerntechniken (z.B. der Umgang mit Lernkarteien und die Arbeit mit der Anlauttabelle).
  • Dabei legen wir besonderes Augenmerk auf die innere Differenzierung, damit jedes Kind in der Lage ist, auf seinem Niveau Lernfortschritte zu erzielen.

6. Konkrete Vorhaben für die Weiterarbeit an unserer Schule

  • Um effektiver jahrgangsübergreifend arbeiten zu können, sollen vorhandene Werkstätten ergänzt bzw. neue angelegt werden.
  • Da Maßnahmen zur individuellen Förderung hohe Anforderungen an die diagnostischen Fähigkeiten stellen, sehen wir in diesem Bereich großen Fortbildungsbedarf. Spezialisierungen einzelner KollegInnen auf bestimmte Bereiche können helfen, diesem Anspruch gerecht zu werden. Dabei kommt dem Erfahrungsaustausch eine um so größere Bedeutung zu.